Was sind Faszien?
Was sind Faszien?
Wo in unserem Körper sind Faszien zu finden, wie können wir sie beeinflussen und was sagt die Wissenschaft dazu?
Was sind Faszien?
Faszien sind ein fein verzweigtes Bindegewebsnetz, das sich durch den ganzen Körper zieht. Sie umhüllen und verbinden Muskeln, Organe, Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder und geben dem Körper Struktur, Halt und Beweglichkeit. Man kann sie sich wie ein dreidimensionales Netz vorstellen, in dem alles miteinander verbunden ist. Ohne Faszien würden wir als formloser Haufen aus Knochen und Muskeln in uns zusammenfallen. Faszien geben aber nicht nur Halt und Struktur, sie sind auch mit vielen Nervenendigungen durchzogen. Dadurch tragen sie zur Körperwahrnehmung bei und können Informationen über Spannung, Bewegung und in manchen Fällen auch Schmerz weiterleiten. Lange wurden Faszien kaum beachtet. Heute weiß man: Sie spielen eine wichtige Rolle für Bewegung, Haltung, Kraftübertragung und Körpergefühl.
„Das menschliche Fasziennetzwerk … Mit ca. 250 Millionen sensorischen Nerven stellt es unser reichhaltigstes Sinnesorgan dar.“ *
Robert Schleip
Woraus bestehen Faszien?
Faszien sind eine Form von Bindegewebe und bestehen überwiegend aus extrazellulärer Matrix. Zu ihren wichtigsten Bestandteilen gehören Kollagenfasern, Elastin, Wasser sowie eine gelartige Grundsubstanz. Zu dieser Grundsubstanz zählen unter anderem Glykosaminoglykane wie Hyaluronsäure, die Wasser binden und die Gleitfähigkeit des Gewebes unterstützen. Kollagen sorgt vor allem für Zugfestigkeit, Elastin für Elastizität und Dehnbarkeit. Faszien reagieren auf Zug, Druck und andere mechanische Belastungen und können sich an diese Reize anpassen. Je nach Zusammensetzung und Anordnung ihrer Bestandteile sind manche Faszien eher fest und stabilisierend, andere elastischer oder stärker auf Verschiebbarkeit zwischen Gewebeschichten ausgelegt. So unterstützen Faszien sowohl Stabilität und Kraftübertragung als auch Beweglichkeit und reibungsarmes Gleiten zwischen verschiedenen Strukturen.
Mehr über Strukturen in unserem Körper findest du in diesem Artikel: Interstitium und Faszien – wie vernetzt ist unser Körper?
Gibt es verschiedene Faszien?
Ja, im Körper gibt es verschiedene Arten von Faszien. Manche liegen eher oberflächlich unter der Haut, andere finden sich tiefer und umhüllen Muskeln, Knochen oder auch Gelenke und die visceralen Faszien umhüllen unsere Organe. Außerdem verlaufen Faszien nicht nur lokal an einer Stelle, sondern bilden größere funktionelle Verbindungen durch den ganzen Körper. Diese Zusammenhänge werden oft als Faszienketten oder myofasziale Leitbahnen bezeichnet. Gemeint ist damit, dass Spannung, Bewegung und Zugkräfte nicht isoliert nur an einem Punkt entstehen, sondern sich über mehrere Bereiche des Körpers hinweg auswirken können. Genau deshalb fühlt sich manchmal eine Bewegung in der Schulter auch im Rücken oder bis in die Beine hinein verbunden an.

Was passiert, wenn Faszien nicht gesund sind?
Faszien beeinflussen nicht nur, wie beweglich du bist, sondern auch, wie du dich in deinem Körper fühlst. Oder wie du spürst, wo sich dein Körper im Raum (Schwerkraft) befindet. Wenn sich der Körper leicht, geschmeidig und aufgerichtet anfühlt, hat das oft auch mit gut funktionierenden faszialen Strukturen zu tun. Umgekehrt kann sich ein eingeschränktes oder überlastetes System schnell schwer, fest oder unbeweglich anfühlen. Wenn Faszien durch Bewegungsmangel, einseitige Belastung, viel Sitzen, Stress oder zu wenig Regeneration aus dem Gleichgewicht geraten, kann sich das auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Häufige Folgen sind:
Bestimmt hast du auch schon mal den Begriff „verklebte Faszien“ gehört, oder? Das ist zwar ein anschauliches Bild aber wissenschaftlich korrekt ist es eigentlich nicht. Faszien verkleben nicht. Es handelt sich eher um eine Verhärtung und Einschränkung der Gleitfähigkeit zwischen Faszienschichten. Und da kommen wir auch direkt zum nächsten Begriff, den du sicher kennst.
Sind Faszienrollen sinnvoll?
Wenn Faszien nicht „verkleben“, dann kann man sie auch nicht durch das Rollen auf Faszienrollen lösen. Um Faszien manuell zu manipulieren bedarf es eines extrem hohen Kraftaufwandes. Den können Faszienrollen nicht leisten. Das heißt aber nicht, dass die Nutzung von solchen Tool nicht angenehm sein kann. Wenn du danach weniger Schmerzen hast oder dich beweglicher fühlst, liegt das vermutlich eher an der Stimulation deiner Nervenrezeptoren und nicht daran, dass du eine dauerhafte Strukturveränderung vorgenommen hast. Zumindest ist das die aktuelle Meinung der Wissenschaft.
Meine persönliche Meinung: Ich bin eher von der gezielteren Stimulation und Hydration von Gewebe mittels Triggerbällen oder auch weichen Igelbällen/Massagebällen überzeugt. Zum einen kann man die Intensität viel besser steuern und die meisten Menschen finde die Selbstmassage mit weicheren Tools auch angenehmer.
Kann man etwas für geschmeidige Faszien tun?
Ja, auf jeden Fall. Faszien profitieren vor allem von regelmäßiger Bewegung und abwechslungsreichen Bewegungsreizen:
Genau hier können wir mit einer Kombination aus Pilates und Faszientraining sehr gut ansetzen. Denn ein Körper, in dem alles gut zusammenspielt, fühlt sich oft nicht nur stärker, sondern auch deutlich geschmeidiger und elastischer an.
Dich interessiert das Thema Faszien?
Die Faszienforschung ist noch ein relativ neues Gebiet und so herrscht bei einigen Aspekten noch viel Unsicherheit aber es gibt immer mehr Forschende und Studien in diesem Bereich. Aktuell zum Beispiel wird an der Universität Witten Herdecke zum Thema der Wirksamkeit von Faszientraining bei Depression geforscht. Spannend, oder?
Wenn du dich intensiver mit Faszien beschäftigen möchtest, findest du hier einige der wichtigsten Vorreiter der Faszienforschung sowie wissenschaftliche Fachartikel:



