Pilates Atmung

PILATES WISSEN

Pilates Atmung richtig lernen

Die Pilates Atmung einfach erklärt: Warum seitliche Brustkorbatmung? Wie du sie Schritt für Schritt lernst und welche Fehler fast alle Anfänger machen.

Pilates Atmung: So lernst du die seitliche Brustkorbatmung

Beim Pilates atmest du durch die Nase seitlich in den Brustkorb ein und durch den leicht geöffneten Mund aus, ohne dabei die Bauchspannung aufzugeben. Diese seitliche Brustkorbatmung ist der Grund, warum du beim Pilates gleichzeitig atmen und deine Körpermitte stabil halten kannst. Sie ist keine Nebensache, sondern das Fundament jeder Übung. In diesem Artikel erkläre ich dir die wichtigsten Aspekte. Am Ende findest du auch ein kurzes Video, das dir die Atmung zeigt.

Warum beim Pilates anders geatmet wird

Im Alltag atmen die meisten in den Bauch oder in die obere Brust. Beim Pilates wäre die tiefe Bauchatmung ein Problem: Wölbt sich der Bauch bei jedem Atemzug vor, verlierst du genau die tiefe Bauchspannung, von der jede Übung lebt -das „Powerhouse“.
Die Lösung: seitlich in den Brustkorb atmen. Die Rippen weiten sich beim Einatmen zur Seite wie ein Blasebalg, das Brustbein hebt sich und der Bauch bleibt aktiv. So bekommst du Sauerstoff UND Stabilität. Nebenbei trainiert diese Atmung die Zwischenrippenmuskulatur und hält den Brustkorb beweglich.
Wichtig: Die Pilates-Atmung ist für das Training gedacht und nicht für den Alltag!

Erste kleine Übung:

Leg deine Hand oder deinen Handballen auf dein Brustbein und spüre, wie sich beim Atmen dein Brustkorb hebt und senkt.

Einatmen

Das Brustbein – lateinisch Sternum – hebt nach oben außen an. Das Volumen des Brustkorbs vergrößert sich.

Brustbein einatmen
Ausatmen

Das Brustbein senkt sich wieder. Man nennt diese Bewegung auch Pump-Handle Bewegung.

Brustbein beim Ausatmen

Spezialfall: Perkussive Pilates Atmung

Es gibt Übungen, wie etwa die Hundreds oder Single Leg Stretch, bei der die sogenannte perkussive Atmung zum Einsatz kommt bzw. kommen kann. Hierbei ist die Atmung kurz, kraftvoll und rhythmisch. Insbesondere bei Übungen, die einem Takt und schnelleren Wechsel folgen, kann dieses Atemmuster eingesetzt werden. Achtung: Diese Atemtechnik kann einen erheblichen Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck verursachen. Sie ist NICHT empfehlenswert zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei bestimmten Stoffwechsel- und neurologischen Erkrankungen oder in der Schwangerschaft.

Zur Abgrenzung: Yoga arbeitet bewusst mit Nasen- und Bauchatmung, weil dort Entspannung und Atemlenkung im Zentrum stehen. Anderes Ziel, andere Technik.

Good to know: Atmung

Natürlich atmen wir weder wirklich in die Rippen noch in den Bauch.
Wir atmen in unsere Lungen. Das Zwerchfell ist einer unserer Hauptatemmuskeln. Stell es dir wie einen aufgespannten Regenschirm oder eine Kuppel vor, die unter der Lunge sitzt. Beim Einatmen spannt es sich an, wird flacher und zieht nach unten – so entsteht Platz und die Lunge füllt sich mit Luft. Beim Ausatmen entspannt es sich, wölbt sich wieder nach oben und die Luft strömt aus der Lunge heraus.

Darstellung Rippen Zwerchfell Bewegung beim Atmen


Schritt für Schritt: So lernst du die Pilates Atmung

Schritt 1: Spüren

Leg die Hände seitlich an die unteren Rippen, Finger zeigen nach vorn. Atme durch die Nase ein und versuche, deine Hände mit den Rippen nach außen zu schieben. Atme durch den leicht geöffneten Mund aus, als würdest du eine Kerze sanft flackern lassen wollen (nicht auspusten). Atme ganz bewusst aus und spüre, wie sich die Rippen wieder senken. Schau dir auch das Video am Ende des Artikels an.

Einatmen

Einatmen
Ausatmen

Ausatmen

Schritt 2: Widerstand

Binde ein Theraband oder einen Schal locker um die unteren Rippen. Atme gegen den sanften Widerstand ein. Das Band gibt dir das Feedback, das Anfängern sonst fehlt. Alternativ kannst du auch einen Softball seitlich zwischen Oberarm und Rippen einklemmen und gegen den Ball atmen. Siehe Video am Ende des Artikels.

Schritt 3: Powerhous

Aktiviere beim Ausatmen die tiefe Bauchmuskulatur (Bauchnabel sanft Richtung Wirbelsäule), versuche den Beckenboden leicht zu aktivieren und die Oberschenkelinnenseiten ebenfalls mit ins Boot zu nehmen. Halte diese Grundspannung beim nächsten Einatmen. Der Bauch bleibt ruhig, nur die Rippen bewegen sich. Das ist der Kern der Sache und braucht Übung und auch Fokus.

Schritt 4: Bewegung

Übertrage die Pilates Atmung zunächst auf einfache Übungen: Meist wird die anstrengende Phase ausgeatmet. Beispiel Schulterbrücke: ausatmend hochrollen, einatmend halten, ausatmend abrollen.

Sanfte Atmung - kein Pressen

Die drei häufigsten Fehler

  • Luft anhalten:
    Der Anfängerklassiker, sobald es anstrengend wird. Merksatz aus meinem Training: Wenn du nicht mehr atmen kannst, ist die Übung zu schwer, nicht die Atmung.
  • Schultern heben:
    Die Atmung geht in die Rippen, nicht in den Nacken. Hände an die Rippen und kontrollieren.
  • Pressatmung beim Ausatmen:
    Ausatmen ist ein langes, gleichmäßiges Strömen, kein Pusten. Wer presst, verkrampft.

Auch wenn du dir mal unsicher bist, denk daran: Just breath!

Warum sich die Mühe lohnt

Die Pilates Atmung strukturiert jede Übung, schützt vor Pressatmung (relevant für Blutdruck und Beckenboden), verbessert die Rippen- und Brustwirbelbeweglichkeit und zwingt dich nebenbei zur Konzentration.

Video Pilates Atmung

Dieses Video zeigt dir, wie sich die Rippen heben und senken. Einmal mit der Hand auf den Rippen und einmal mit Softball unter dem Arm. Achtung: Ich habe die Geschwindigkeit des Video etwas erhöht. Beim Nachmachen bitte langsamer atmen 🙂

Hand an Rippen beim Atmen

FAQ PILATES ATMUNG

Durch die Nase seitlich in den Brustkorb einatmen, durch den leicht geöffneten Mund ausatmen. Die Bauchspannung bleibt dabei erhalten.

Weil die tiefe Bauchspannung (Powerhouse) die Grundlage jeder Übung ist. Eine Bauchatmung würde diese Spannung bei jedem Atemzug lösen.

Faustregel: Die anstrengende Phase wird ausgeatmet. Die genaue Atemführung gehört zu jeder Übungsanleitung dazu und bei vielen Übungen kannst du auch in deinem Rhythmus atmen.

Yoga atmet meist durch die Nase und in den Bauch, mit Fokus auf Entspannung und Atemlenkung. Pilates atmet seitlich in den Brustkorb, mit Fokus auf Stabilität bei Bewegung.